Eigentlich Architektur oder doch lieber Design

Eigentlich Architektur oder doch lieber Design

Warum eine gute Berufsberatung in der Schule wichtig ist

 

Wie alle kleinen Mädchen wollte ich irgendwann einmal Tierärztin werden. Spätestens am Anfang der Pubertät festigte sich aber der Gedanke zum Studium der Architektur. Wer meinen vorherigen Blogpost in dieser Kategorie gelesen hat, der wird darüber vermutlich auch nicht besonders überrascht sein. Was dagegen aus heutiger Sicht schon etwas merkwürdig ist, ist die Tatsache, dass meine Eltern versucht haben mir das auszureden. Darf man das noch!?

Die Begründung meines Papas war recht ernüchternd: „Du bist doch so schlecht in Mathe!“ Was zu der damaligen Zeit stimmte. Das war die Zeit der Wuzeln ziehen mit den X-en. In Geometrie war ich ziemlich gut. Aber das war Schnee von gestern.

Meine Mama hingegen hatte sich ganz andere Gedanken gemacht. Sie meinte das wäre ja so eine Männerdomäne. Das sollte ich mir noch einmal gut überlegen. Ich vermute die meisten Feministin würden bei solchen Aussagen an die Decke gehen und bestenfalls sagen: „Dann erst recht!“

Aber ich war halt ein braves Mädchen und habe mir das alles zu Herzen genommen. Erst mal... 


Zum Glück gab es an meiner Schule eine sehr gute Berufsberatung und das ist wohl bis heute eine echte Ausnahme. In der 11. Klasse gab es ein cooles Wochenende im Harz als angenehme Pflichtveranstaltung und quasi Klassenfahrt. Es kamen mehrere Gastredner vom BIZ und ehemalige Schülerinnen unserer Schule. Die einen haben erzählt wie ihr Berufsweg bis dato verlaufen ist – bei der einen ging er schnurgeradeaus und bei der anderen war er recht durchwachsen, aber spannend; und die anderen Redner hatten Materialien im Gepäck noch und nöcher. Es galt Tests zu machen, die uns in bestimmte Richtungen wiesen und schließlich zu Aktenordnern führten, die tatsächlich ganz ordentliche Informationen zu bieten hatten. Ob das System dem heutigen Arbeitsmarkt noch gerecht wird, wage ich zu bezweifeln. Es hat uns aber auf den Weg gebracht, zu guten Gedanken geführt und wir hatten nicht das Gefühl alleine zu sein. 

Im Nachgang war wirklich jede Woche an einem Nachmittag ein Mitarbeiter vom BIZ an unserer Schule. Ich empfinde das immer noch als den hellen Luxuswahnsinn, zu Mal meine damalige Schule mitten in der Pampa lag und der gute Herr aus der nächsten größeren Stadt locker eine dreiviertel Stunde angefahren kam. Der Mann war auf Zack, man konnte bei ihm Termine machen und wurde liebevoll beraten. In meinem Fall hat er tatsächlich nach Alternativen gesucht und mir Artikel zum Thema Industrie- und Produktdesign mitgebracht. Er hat mir dabei geholfen herauszufinden wo man das Studieren konnte, wie man sich für einen Studienplatz bewirbt und letztlich dafür gesorgt, dass ich mit 16 Jahren exakt wusste, was ich nach dem Abitur machen will. Ohne den Mann hätte ich nicht parallel meine Bewerbungsmappe schon in der Schulzeit erarbeitet und ich hätte nicht mit gerade mal 19 mein Studium direkt nach der Schule begonnen. Ich bin ihm unendlich dankbar dafür und ich Arsch habe seinen Namen vergessen. Was mir echt unangenehm ist.

Fun Fact

Als zehnjähriger Pöks bin ich beim Rundgang der HBK BS durch die Ateliers gewandert und habe mit großen Augen die damaligen Arbeiten der Studierenden bewundert.

Aus dem Zeichensaal, in dem damals Hockerstudien präsentiert wurden, wollte ich nicht mehr raus… und viele Jahre später habe ich genau dort selber gesessen und an meinen Studien gearbeitet.

(Übrigens: Industrial Design ist auch eine Männerdomäne... Sorry Mama!)  


Wie finden die Teenies heute ihren Weg!?

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Ich frage mich manchmal wie es eigentlich heute so auf den Schulen und auch im BIZ zugeht. Ich vermute, dass die Teenies heute noch genauso ahnungslos und durch den Wind sind, wie wir das waren. (Auch wenn manche Social Media Enterpreneurs ein anderes Bild vermitteln.) Ich glaube, dass der Arbeitsmarkt spannender geworden ist, aber gleichzeitig auch viel mehr abverlangt und das BIZ überhaupt nicht mal Ansatzweise hinterher kommt neue Berufe in ihr Informationssystem einzuspeisen. Ich bezweifele, dass „mein Berater“ zum heutigen Standard geworden ist. Sollte er aber und ich wünsche absolut jedem das Glück was ich damals hatte.

Was es aber natürlich jetzt gibt und es damals in meiner Jugendzeit noch nicht gab, ist das Internet in seiner heutigen Form. Fluch und Segen zugleich!? Ich hab aus Jucks an der Freude mal gegoogelt was für Entscheidungshilfen angeboten werden und drei Test durchgeführt. 


Test 1

was-studiere-ich war mein erster Versuch. Dieser Test wird vom „Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg“ gestellt, die Ergebnisse sind ebenfalls Landesbezogen, was aber für den ersten Überblick gar nicht stört.  

Rechts sind die Vorschläge zu sehen, die mein Testergebnis zu bieten hat. Ich habe markiert was tatsächlich zutrifft und ein paar Kommentare hinzugefügt.

Was Ägyptologie und Archäologie mit Event-Management und Medienberatung zu tun haben, würde ich allerdings gerne mal erklärt bekommen???

Fazit: überraschend gut und passend!


Test 2

schülerpilot ist dagegen von einer GmbH aufgesetzt und wird von anderen Wirtschaftsunternehmen gefördert. 

Da hat mein Designerherz sich direkt an dem frischen Layout erfreut und beim Ergebnis über die hübsche Infografik, s. rechts, gelacht. Im Anschluss gab es noch einen netten Text, der zum Registrieren eingeladen hat (was ich allerdings gelassen habe).

Nicht nur wegen des Designs, sondern auch auf Grund der Fragen, fand ich diesen Test für Schüler wirklich passend. „Ästhetik hat für mich einen hohen Stellenwert.“ oder „Kulturveranstaltungen sind einfach nicht mein Ding.“ müssen mit „Trifft gar nicht zu!“ oder „Trifft voll zu!“ bewertet werden. Ich finde das geht klar. 

Auch hier trifft mein Ergebnis „voll zu“ :-).

Schaut mal rein – es lohnt sich und macht oben drein echt Spaß!

 

 

Dein Testergebnis zeigt, dass du eine künstlerisch-kreative Ader hast. Dir fällt es leicht, dich kreativ oder sprachlich auszudrücken und beschäftigst dich gerne mit ausgefallenen Ideen, speziellen Materialien, Musik oder Kultur. Außerdem ist dir Ästhetik wichtig. In diesem Bereich triffst du vor allem auf Menschen, die sich durch ihre fantasievolle, ausdrucksstarke und offene Art auszeichnen und sehr sensibel, unkonventionell, eigensinnig und idealistisch veranlagt sind.

Außerdem würde für dich auch der unternehmerische Bereich in Frage kommen. Dir fällt es leicht, andere zu motivieren und von deinen Ideen zu überzeugen! Du hast immer einen konkreten Plan und behältst deine Ziele dabei stets im Blick. In diesem Tätigkeitsfeld triffst du auf Menschen, die durch ihre selbstbewusste und mitreißende Art hervorstechen und meist sehr erfolgsorientiert, dominant und verantwortungsbereit sind.


Test 3

ZEIT Campus SIT ist dagegen aus meiner Sicht eine Zumutung. Ohne Registrierung geht hier gar nichts und die erfolgt natürlich bei der ZEIT online, so dass ich zukünftig wohl mit Infos verärgert werde, die mich gar nicht interessieren.

Die Fragen sind elitär, für mich persönlich langweilig bis nervig, und für Jugendliche ziemlich sicher eine Überforderung. Ich habe außerdem den Eindruck, dass die Test-Ersteller unbedingt auf ein Ergebnis hinarbeiten wollten, dass das Interesse am Ingenieurstudium bekundet... Warum eigentlich!?

Wie man rechts sehen kann, habe ich nach der Hälfte abgebrochen. Ich empfehle es einfach zu lassen.


Ich bin neugierig... wie war es bei Euch? Wer hat auch einen Test gemacht? Was kam bei raus? Erzählt es mir gerne. Ich freu mich drauf!

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Am Anfang war… was eigentlich?

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